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Nr. 00272- Nov. 18th, 2025 – Weekly Newspaper devoted to Science & Technology in Africa ** Pour la promotion de l'esprit scientifique en Afrique

Migration aus Afrika in die EU: Eine Analyse der Berichterstattung in deutschen und senegalesischen Zeitungen

Geleitwort

von Prof. Dr. Sigrid Baringhorst

 

Auch wenn Migrant/innen aus Subsahara-Afrika (SSA) nur einen relativ geringenAnteil an der Gesamtzahl der Zuwanderer/innen in Deutschland ausmachen, istdie wirtschaftliche, soziale und politische Relevanz der Zuwanderung aus Afrikanach Europa insgesamt erheblich. Angesichts eines Geburtenüberschusses undextrem hoher Arbeitslosigkeit und damit verbundener Armut wächst die Wohlstandsdifferenzzwischen den Staaten der EU und den Ländern SSA und damiteinerseits die Bereitschaft, durch Migration die eigenen Lebenschancen wie dieZukunftsaussichten ganzer Familien zu verbessern, und andererseits auf Seiten dereuropäischen Gesellschaften die Angst vor einer Gefährdung des eigenen Wohlstandsdurch Massenzuwanderung aus Afrika. Basierend auf einer umfassendenAufarbeitung des aktuellen Forschungsstands zu Ausmaß, Ursachen und Folgender Migration aus SSA nach Europa untersucht Florence Tsagué Assopgoum inder vorliegenden Forschungsarbeit die mediale Thematisierung dieser Migrationin ausgewählten deutschen und senegalesischen Tageszeitungen.

Ausgehend von einer konstruktivistischen erkenntnistheoretischen Positionfragt sie nach der landes- und zeitungsspezifischen medialen Erzeugung vonWahrnehmungsmustern der Migration aus Afrika in die EU. Dabei analysiert siedie mediale Thematisierung von Typen afrikanischer Migrant/innen, der Ursachender Abwanderung, der Integration in die Aufnahmegesellschaft sowie Reaktionender Regierungen von Herkunftsland und Zuwanderungsland auf die Migration.Zentral ist dabei die Frage nach der Bewertung des Migrationsprozesses als Chance für die Entwicklung afrikanischer Länder und Lösung sozialer und ökonomischerProbleme in den Zuwanderungsgesellschaften oder als Bedrohung für diesoziale Integration der Zuwanderungsgesellschaften und Verlust für die ökonomischeEntwicklung afrikanischer Gesellschaften. Diese erkenntnisleitende Perspektivewird überzeugend aus gegenwärtigen Forschungen zur Veränderung vonMigrationsbewegungen im Kontext von Prozessen der Globalisierung abgeleitet.

Deutlich wird unter anderem die bezogen auf andere europäische Länder besondersstark ausgeprägte Bedrohungswahrnehmung in der deutschen Gesellschaft:Während in Deutschland 2008 49 % der Bevölkerung Migration aus Afrika vorallem als Bedrohung und nur 38 % als Chance betrachteten, gaben 46 % der Fran8Geleitwortzosen an, sie als Chance zu sehen; nur 35 % von ihnen sahen sie, so die Ergebnisseder Studie »Transatlantic Trends: Immigration« von 2008 vor allem als Problem. Die Autorin geht in ihrer empirischen Untersuchung von der Annahme aus, dassin den senegalesischen Zeitungen Migration aus Afrika in die EU aufgrund derwichtigen Rücküberweisungen und der Entlastung der heimischen Arbeitsmärkteeher als Chance für die Entwicklung betrachtet wird, während in den deutschenMediendarstellungen eher Deutungen im Sinne der Betonung von Gefahren undBedrohungen zu erwarten sind. Die empirischen Befunde bestätigen die Annahmeeines Bedrohungsdiskurses in Deutschland jedoch nur zum Teil. Die meisten Artikelder FAZ und SZ enthalten sich eindeutiger Beurteilungen, auch wenn insgesamtmehr über Risiken und weniger über Chancenwahrnehmung geschriebenwird. Interessant ist, dass auch in den senegalesischen Zeitungen die Chancenwahrnehmungsehr gering ist und eher für Gefahren sensibilisiert wird und wenigvon positiven Möglichkeiten für einzelne Migrant/innen wie für das Abwanderungslandgesprochen wird. In beiden Ländern überwiegt deutlich der Fokus aufirreguläre Migration, wobei noch immer der von NGOs und UNO-Organisationenkritisierte Begriff der »illegalen« Migrant/innen dominiert. Unterschiedlich ist die Kausalattribuierung in beiden Ländern: während in den deutschen Medien Migrationschlicht auf die Armut in den afrikanischen Gesellschaften zurückgeführtwird, argumentieren die senegalesischen Journalisten insofern komplexer, als siedie Armut auf dem Hintergrund kolonialer Ausbeutungserfahrungen und derenFolgen thematisieren. Aufschlussreich sind auch die Befunde zu den genutztenQuellen wie z. B. den Nachrichtenagenturen, afrikanischen und europäischen Wissenschaftler/innen und Migrationsexpert/innen.

Diese Studie ist insgesamt ein wichtiger und innovativer Beitrag zur Erforschunginternationaler Migrationsprozesse wie zur vergleichenden Analyse politischerKommunikation. Wie zu Recht in den abschließenden Erläuterungenhervorhoben wird, ist insbesondere der Zusammenhang zwischen Migration undEntwicklung ein bedeutsames Forschungsgebiet der Zukunft ebenso wie die nochzu wenig erforschten Interdependenzen zwischen medialer Thematisierung undgesellschaftlichen Prozessen der Ausgrenzung.

 

Buch:

Autorin: Florence Tsagué Assopgoum

Titel: Migration aus Afrika in die EU:

Eine Analyse der Berichterstattung in deutschen und senegalesischen Zeitungen

2011, 335 Seiten.

Broschur., ca. EUR 39,95

ISBN 978-3-531-18373-2

Bestellung: Buch – Tsagué Assopgoum- Migration aus Africa-978-3-531-18373-2 – 2011

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