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Nr. 00211- Apr. 26th, 2017 – Weekly Newspaper devoted to Science & T Pour la promotion de l'esprit scientifique en Afrique

Hilaire Mbakop: Das Hexagon und seine Mittäter – Der Tragödie erster Teil (Buchrezension)

Buch schreiben - Hilaire Mbakop - Das Hexagon und seine Mittäter I.Das Hexagon und seine Mittäter I von Hilaire Mbakop ist ein historisches Drama, das vier Akte zählt. Seine Szenen lassen den Leser bzw. den Zuschauer in einen bewegten Zeitabschnitt eintauchen, über den manche Leute den Schleier des Vergessens gern breiten würden. Schon aus dem Titel dieses Buches ersieht man, dass Frankreich auf der Anklagebank sitzt, aber nicht allein: es sitzt dort nämlich als Haupttäter, also mit Komplizen neben ihm.

Gleich in der ersten Szene des ersten Kapitels erfährt man, dass sich einige Mitglieder des Präsidiums der nationalistischen Partei UPC ein drittes Mal nach New York begeben haben, um „die Missstände des Kolonialismus sowie die hehren Ideale der kamerunischen Bevölkerung auf der UN-Vollversammlung darzustellen.“ Die UPC beklagt sich bei der UNO, weil diese nach dem Zweiten Weltkrieg das geteilte Kamerun unter die Schutzherrschaft Frankreichs und Großbritanniens stellte. Den beiden europäischen Mächten hält die Freiheitsbewegung vor, die von ihnen unterzeichneten Schutzherrschaftsverträge zu missachten. Denn entgegen den Bestimmungen jener Texte sind sie nicht willens, eine Frist für die Unabhängigkeitserklärung sowie für die Wiedervereinigung Kameruns zu nennen.

Angesichts des himmelschreienden Unrechts, das die Kolonisten den Einheimischen seit Jahren zufügen, fordert die UPC-Führung nicht nur eine sofortige Dekolonisation; sie gehört zu jenen afrikanischen Politikern, die der Ansicht sind, dass ein in die Unabhängigkeit entlassenes Land die Beziehungen zum einstigen Mutterland radikal abbrechen muss.

Die UPC ist nicht die einzige Oppositionspartei in Kamerun, aber sie zeichnet sich durch ihre Ungeduld und Standhaftigkeit aus. Und mit diesen Eigenschaften zieht sie sich den Zorn der Kolonisten zu. Die Unnachgiebigkeit der Kontrahenten macht eine Eskalierung von Gewalt unausweichlich. Aber um die Verfolgung der nationalistischen Bewegung zu legitimieren, gibt die französiche Verwaltung vor, gegen den Kommunismus zu kämpfen, zumal die UPC bezichtigt wird, die Struktur einer marxistischen Organisation aufzuweisen. Die Kirche, der die Patrioten vorwerfen, mit den Imperialisten unter einer Decke zu stecken, veröffentlicht einen langen Brief, in dem sie die UPC als eine Gefahr für Kamerun darstellt, da sie sich von dem vom Papst Pius XI. verurteilten atheistischen Kommunismus inspirieren lasse! Dieses Schreiben, das zu Ostern in allen Gotteshäusern des Landes den Gläubigen vorgelesen wird, ist in der Tat Wasser auf der Mühle der Verwaltung. Und dennoch lässt sich die Reaktion des Präsidiums der verfolgten Bewegung nicht auf sich warten. Mit Hilfe von Pamphleten und öffentlichen Reden entkräftet es die Argumente seiner Gegner, und die Zahl der Mitglieder und Sympathisanten der Partei wächst kontinuierlich. Schließlich geht es dazu über, eine Nationalhymne zu komponieren und Kamerun für einen unabhängigen Staat zu erklären. Gleichzeitig zettelt es im Einvernehmen mit einer Gewerkschaft Tumlute an und befiehlt der Basis, vor den Sicherheitskräften und den Milizen nicht mehr zurückzuweichen, die ihre Sitzungen zu zerstreuen pflegen.

Der französische Hochkommissar hat seinerseits angeordnet, dass die Polizei auf jeden Demonstrationszug schießen soll. Bei den zahlreichen Zusammenstößen, die erfolgen, werden Tausende Bürger getötet. Die Verwaltung lässt zunächst Haftbefehle gegen die UPC-Führung sowie Vorführungsbefehle gegen Hunderte Mitglieder ausstellen. Daraufhin flüchten die Kader der Freiheitsbewegung in den von den Briten verwalteten Teil des Landes, mit Ausnahme des Generalsekretärs Ruben Um Nyobé, der bereits in den Untergrund gegangen war.

Wenig später löst die französische Regierung die UPC und deren Nebenbewegungen auf. Mit dieser Maßnahme glaubt sie, dem Feind den Garaus gemacht zu haben. Weit gefehlt. Die Untergrundbewegung organisiert sich neu und gründet sogar Komitees in der englischsprachigen Zone, wo sie bis dahin nur einen sehr geringen Einfluss hatte.

Plötzlich beschließt Paris, die Zügel ein bisschen zu lockern, indem es Kamerun den Status eines halbautonomen Staates verleiht und seinen Einwohnern das Recht zugesteht, eine verfassunggebende Versammlung zu wählen. Da es ausschließlich gemäßigte Politiker in der künftigen Regierung und Versammlung sehen will, weigert es sich, das Verbot der UPC rückgängig zu machen und deren verfolgte oder inhaftierte Mitglieder zu amnestieren.

Dieser Umstand bringt das Präsidium der aufgelösten Bewegung dazu, ihre erste paramilitärische Organisation zu gründen. Doch trotz der Sabotageakte und Attentate, die sie in der Region Sanaga-Maritime verübt, erfüllt der französische Hochkommissar ihre Forderungen nicht.

Die Briten verhindern ebenfalls, dass die UPC in ihrer Zone ins Parlament einzieht. Anschließend lösen sie sie auf und weisen jene Präsidiumsmitglieder aus, die dort Zuflucht gefunden haben.

Eine zweite bewaffnete Organisation, die in der Region Bamiléké entsteht, wird nach einer Reihe von Anschlägen auf „Knechte des Kolonialismus“ durch die französische Verwaltung und die junge Marionettenregierung schnell zerschlagen.

Aber die Guerillakämpfer von Sanaga-Maritime sind nicht nur zahlenmäßig bedeutend, sie sind auch besser ausgerüstet und trainiert. Zudem war die überwältigende Mehrheit der Bewohner dieser Region dem Aufruf zum Boykott der letzten Parlamentswahl gefolgt, was die französische Verwaltung dazu brachte, deren Ergebnisse dort zu annullieren. Um den dortigen Aufstand niederzuschlagen, ruft Hochkommissar Messmer 1.200 Soldaten, die aus Brazzaville ankommen, um die in Kamerun stationierten Streitkräfte zu verstärken. Die Armee bedient sich der Techniken des revolutionären Krieges, den Oberstleutnant Lamberton wie folgt definiert: „Damit meine ich eine Art Krieg, wo die militärische Aktion mit der psychologischen einhergeht.“ Die Hütten der Dorfbewohner werden systematisch niedergebrannt, ihre Felder verwüstet. Dann werden sie in Konzentrationslagern interniert. Während einige Soldaten sie dort der ideologischen „Umerziehung“ unterziehen, verfolgen und vernichten andere den harten Kern der UPC sowie die Guerilleros im Wald. 20.000 Bassas werden im Laufe dieses Feldzugs ermordet.

Das Hexagon und seine Mittäter I ist ein Aufruf, den Hilaire Mbakop an Frankreich richtet, damit es seine koloniale Vergangenheit aufarbeitet.

Es ist nicht nur für die literatur- und geschichtswissenschaftliche Forschung geeignet, sondern auch für alle, die eine Übersicht über den Befreiungskampf haben möchten, der zwischen 1955 und 1958 in Kamerun stattfand.

Es ist ein fesselndes Stück.

 Von Henri Djomen

Hilaire Mbakop: Das Hexagon und seine Mittäter – Der Tragödie erster Teil. Re Di Roma-Verlag, 2011. 128 Seiten. Taschenbuch. ISBN: 978-3-86870-401-3

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